Rückblick auf den 13. Deutschen Seniorentag 2021

Wir. Alle. Zusammen. Für ein selbstbestimmtes Leben im Alter.

Corona bedingt fand der Seniorentag nur digital statt. Viele Veranstaltungen wurden aufgezeichnet, auch die Festveranstaltung, in die der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier aus dem Schloss Bellevue live zugeschaltet wurde und den 13. Deutschen Seniorentag eröffnete. Die Festveranstaltung fand im Kuppelsaal des Hannover Congress Centrums ohne Publikum statt und wurde per Livestream im Internet übertragen.

Der Bundespräsident betonte, dass es in der aktuellen Krise nicht nur auf den Staat, sondern auf jeden Einzelnen ankomme. Er dankte den älteren für ihre Solidarität und die Verantwortung, die sie in der Zeit der Pandemie auf sich genommen haben und rief dazu auf, gemeinsam zu handeln. Deshalb sei das Motto des diesjährigen Seniorentages gut gewählt: Wir. Alle. Zusammen.

Der Niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil machte in seinem Grußwort deutlich, wie unverzichtbar das ehrenamtliche Engagement der Älteren sei: „Ohne die Generation 60 plus geht wenig, sehr wenig in unserer Gesellschaft.“

In einer Podiumsrunde, an der u.a. Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay und Regionspräsident Steffen Krach teilnahmen, diskutierten sie, was für ein gutes Älterwerden nötig ist: Treffpunkte und Räume für ehrenamtliches Engagement, Mobilitätsangebote, generationsübergreifende Wohnmöglichkeiten, digitale Erfahrungsorte, wohnortnahe Unterstützungsangebote und sowie bessere Rahmenbedingungen in der Pflege. Eine differenzierte, teilhabe-orientierte Seniorenpolitik müsse in den Kommunen mit Leben gefüllt werde, ergänzte die Staatssekretärin des Familienministeriums, Juliane Seifert.

Der Theologe Prof. Dr. Reimer Gronemeyer warf einen Blick auf die Frage, wie Altersbilder das Miteinander der Generationen beeinflussen. Er forderte einen Aufbruch hin zu mehr Sorge füreinander: „Helfen, da sein für den anderen in jeder Lebenssituation und in jedem Alter! Wir brauchen uns gegenseitig – als Bürgerinnen, als Freunde, als Nachbarin.“

In einer anderen Gesprächsrunde „Die Endlichkeit des Lebens“ stand die Frage nach dem Älterwerden und Sterben und die Frage, was ein gutes Leben ist, im Mittelpunkt. Dazu sagte die Gesundheitswissenschaftlerin Prof. Dr. Annelie Keil: „Der Tod ist gegenwärtig. Das ist keine Frage des Alters.“ Und Henning Scherf, der frühere Bremer Bürgermeister ergänzte: „Wir müssen das, was wir noch können, wertschätzen und dürfen es nicht kaputt reden lassen.“

In der Gesprächsrunde „Hoch hinaus und stets in Bewegung: warum Bewegung glücklich macht“ setzte sich Prof. Dr. Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Sporthochschule Köln, für mehr Bewegung im Alltag ein: „Man sollte Wege bewusst suchen und sich freuen, Bewegung in den Alltag einzubauen. Bewegungspunkte zu sammeln ist etwas anderes als Sport, aber in der Wertigkeit nicht zu unterschätzen. Bewegung tut einfach gut.“

Den Abschluss des digitalen Programms im Kuppelsaal bildete eine Lesung mit der ehemaligen Bischöfin Dr. Margot Käßmann. Sie las aus ihrem Buch „Freundschaft, die uns im Leben trägt“ und betonte, wie wichtig Freundschaften und menschliche Begegnungen gerade in Krisenzeiten seien: „Auch wenn Du älter bist, heißt es ja nicht, dass Du nicht neue Freundschaften finden kannst. Es zu wagen, neue Beziehungen einzugehen – dazu möchte ich alle Menschen ermutigen.“

Die neue BAGSO-Vorsitzende, Dr. Regina Görner, und ihr Vorgänger, Franz Müntefering äußerten sich hoffnungsvoll, dass der nächste Deutsche Seniorentag wieder live stattfinden kann – mit persönlichen Begegnungen, lebendigem Austausch und gemeinsamen Erleben.

Das hoffen wir alle. Leider kommt die Chance, den Seniorentag in unserer Landeshauptstadt wieder zu erleben, kommt so schnell nicht wieder.

                                                                                                              Manfred Kobusch, Vorsitzender

 

 

Hannoversche Erklärung

Wir. Alle. Zusammen.

Zum 13. Deutschen Seniorentag hat die BAGSO gemeinsam mit ihren Mitgliedsverbänden eine Erklärung im Namen der älteren Generation veröffentlicht. Unter dem Motto „Wir. Alle. Zusammen.“ versteht sich die Hannoversche Erklärung als Apell und als Selbstverpflichtung der älteren Generation, sich mitverantwortlich an der Lösung der anstehenden gesellschaftlichen Aufgaben zu beteiligen. Die Erklärung beschreibt die wichtige Rolle der Älteren für Wohlstand und sozialen Zusammenhalt und nimmt die zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen in den Blick.

 

 

www.bagso.de/publikationen/hannoversche-erklaerung/

Nachhaltigkeit und demographischer Wandel

Widerspruch oder Übereinstimmung?

 

Im Koalitionsvertrag der neuen Ampelregierung steht viel über Nachhaltigkeit und wenig über Alterssicherung und Rente. Diese Diskrepanz hat Axel Börsch-Supan aufgedeckt; er ist Lehrstuhlinhaber an der TU München und Direktor des „Munich Center for the Economics of Aging“ am Max-Planck-Institut. Was Nachhaltigkeit in der Klimapolitik bedeutet, um den Klimawandel noch abzuwehren, ist vielen bewusst geworden durch die heißen Sommer der letzten Jahre, durch Starkregen und die riesigen Überschwemmungen in Westdeutschland.   

Die Notwendigkeit einer Nachhaltigkeit bei der Rente erkennt man bei einem Blick auf den demographischen Wandel. Das kann man besonders gut verstehen, weil in wenigen Jahren die Babyboomer-Jahrgänge in Rente gehen werden. Die heute 61-Jährigen gehören mit 1,3 Mio. Menschen zu den größten Jahrgängen der deutschen Bevölkerung, weitere sechs Jahrgänge folgen. Sie alle wollen in wenigen Jahren ihre Rente beziehen. Eine Befragung der Bundeszentrale für politische Bildung macht deutlich: 37 % der Befragten haben große Sorgen und 31 % haben gewisse Sorgen über ihre Alterssicherung, nur 30 % haben geringe oder keine Sorgen.

Zum Ende dieses Jahres wird die Reserve der gesetzlichen Rentenversicherung noch 40 Mrd. Euro betragen, in vier Jahren wird sie nach Berechnungen der Rentenversicherung leer sein. Daher ist in 2024 eine Beitragserhöhung unausweichlich, zudem die Zahl der Rentner zunimmt und die Zahl der Beitragszahler abnimmt. Das Ungleichgewicht lässt sich auch durch Zuwanderung nicht kompensieren.  

Die rot-grüne Koalition hat 2005 den Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt. Dadurch wird der Anstieg der Beitragssätze, der durch den demographischen Wandel für die jüngere Generation entsteht, gesenkt und zugleich das Rentenniveau etwas absenkt. Das führt aber zu keiner Rentenkürzung, was immer behauptet wird. Sinkende Renten kann es nicht geben, die Rentengarantie ist seit 2009 im Sozialgesetzbuch verankert. Das Rentenniveau ist ein Prozentsatz, der angibt, wieviel Prozent des Durchschnittsverdienstes die sog. Standardrente ausmacht.

Im Koalitionsvertrag heißt es: „Wir werden das Mindestrentenniveau von 48 % dauerhaft sichern“ und „In dieser Legislaturperiode steigt der Beitragssatz nicht über 20 %“. Die Rentnergeneration soll also dauerhaft von den Folgen des demographischen Wandels verschont werden, während die jüngere Generation diese durch Beitragserhöhungen finanzieren muss. Nach Berechnungen der gesetzlichen Rentenversicherung werden die Beiträge spätestens in 2024 auf jene 20 % steigen, bis 2035 auf 22,4 %. Die Lasten des demographischen Wandels werden einseitig auf die jüngere Generation verschoben, die zudem den Klimawandel und den aufgestauten Bedarf an Infrastrukturmaßnahmen finanzieren muss.   

Eine weitere Scheinmaßnahme hat die Aufmerksamkeit von Axel Börsch-Supan gefunden.  Im Koalitionsvertrag steht: „Zur langfristigen Stabilisierung von Rentenniveau und Rentenbeitragssatz werden wir in eine teilweise Kapitaldeckung der gesetzlichen Rentenversicherung einsteigen. dazu werden wir in einem ersten Schritt der deutschen Rentenversicherung in 2022 aus Haushaltsmitteln einen Kapitalstock von 10 Mrd. Euro zuführen.“ Der Rentenversicherungsbericht setzt die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung für dieses Jahr mit 357 Mrd. Euro an. Das bedeutet, dass die Rentenversicherung Reserven von 10 Tagesausgaben erhält. Ist das seriös?

Das Fazit dieser Rentenpolitik fällt wenig zukunftsorientiert aus, schlussfolgert Axel Börsch-Supan: „Mehr Fortschritt wird nicht gewagt, stattdessen besteht sie aus Verdrängung und rückwärtsgewandten Maßnahmen, die nachhaltige und generationengerechte Lösungen wieder abwickeln“.

Zur Erinnerung: Die CDU/FDP-Regierung Kohl mit Sozialminister Norbert Blüm brachte in ihrer Endphase mehrere demographische Faktoren in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Die rot-grüne Regierung unter Gerhard Schröder machte alle Maßnahmen wieder rückgängig, um sie ein paar Jahre später wieder einzuführen; sie hatte die Notwendigkeit erkannt. Und die CDU/SPD-Regierung, die Große Koalition, überfrachtete die Rentenversicherung unter den SPD-Ministern Scholz, Nahles und Heil mit leistungsfremden Ausgaben.

Mal sehen, was diese bunte Ampelkoalition in vier Jahren Legislaturperiode daraus machen wird.

                                                                                       Manfred Kobusch, Vorsitzender Region Hannover

Die neue Regierung steht.

Was bringt die Ampel-Koalition für die Rentner?

 

Erst werden 10 % Rentenhöhung für die nächsten beiden Jahre angekündigt, und dann lesen wir, dass der Nachholfaktor wieder eingeführt werden soll. Was soll das?

Aus den Vorausberechnungen für den jährlichen Rentenversicherungsbericht, den das Bundesarbeitsministerium erstellt, ergibt sich ein kräftiges Plus von zweimal 5 %. Der Arbeitsmarkt und damit auch die Lohnentwicklung haben sich nach dem heftigen Dämpfer durch die Corona-Krise gut erholt. In diesem Jahr 2021 hätte es wegen der rückläufigen Beschäftigtenzahlen und der Löhne rechnerisch eine Kürzung geben müssen, es hat aber eine Nullrunde gegeben. Die Bekanntgabe der Rentenerhöhung mit 5,2 % für 2022 ist vor dem Ende der Koalitionsverhandlungen erfolgt.

Im Koalitionsvertrag lesen wir jetzt, dass der sog. Nachholfaktor wieder eingeführt wird, damit die Rentner nicht zu den Krisenprofiteuren werden. Positiv formuliert heißt das im Vertrag: „So stellen wir sicher, dass sich die Renten und Löhne im Zuge der Corona-Krise insgesamt im Gleichklang entwickeln.“ Der Nachholfaktor führt dazu, dass die ausgefallene Kürzung mit späteren Erhöhungen verrechnet wird: so werden aus 5,2 % Erhöhung nur gut 2,5 %. Aber die endgültigen Zahlen liegen erst im März des kommenden Jahres vor.

Neben dem Nachholfaktor gibt es einen ähnlich klingenden Begriff, den Nachhaltigkeitsfaktor. Dieser sieht vor, dass die Renten mit dem bevorstehenden Renteneintritt der Babyboomer etwas langsamer steigen sollten als die Löhne, um Letztere nicht zu überfordern. Der Nachhaltigkeitsfaktor bleibt in der Rentenformel weiterhin außer Kraft.

Im Koalitionsvertrag steht: „Wir werden das Mindestrentenniveau von 48 % dauerhaft sichern. In dieser Legislaturperiode steigt der Beitragssatz nicht über    20 %. Es wird keine Rentenkürzungen und keine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters geben.“
Die umlagefinanzierte Rente soll u.a. durch eine erwerbsbezogene und qualifizierte Einwanderung gestärkt werden. Zum Einstieg in die teilweise Kapitaldeckung, die Aktienrente, wird in einem ersten Schritt der Rentenversicherung ein Kapitalstock von 10 Mrd. Euro zugeführt.

Dazu sagt der Finanzwissenschaftler Prof. Raffelhüschen: „Hätten wir die Kapitaldeckung Anfang der Neunziger gemacht, hätten zwei bis drei Prozent des Einkommens in Aktien angelegt wie in Norwegen, hätten wir es geschafft“. Die Wissenschaft habe damals Vorschläge gemacht, die Politik sei nicht bereit gewesen. Das rot-grüne Kabinett mit den Ministern Riester, Schmidt und Müntefering habe wichtige Sanierungsschritte vollzogen. Die Minister Scholz (Rentengarantie), Nahles (Rente mit 63) und Heil (doppelte Haltelinien) hätten dies konterkariert. Das Ergebnis werde ein höherer Bundeszuschuss sein.   

Unabhängig vom Koalitionsvertrag erklärt Rainer Dulger, der Präsident der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände: „An einer schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters beispielsweise führt kein Weg vorbei.“ Und Werner Michael Bahlsen, der Präsident der Unternehmensverbände Niedersachsen, ergänzt: „Gute Sozialpolitik verlangt eine florierende Wirtschaft.“

Das ist der Zielkonflikt, in dem sich Politik und Wirtschaft treffen, ein Konflikt, den Politiker und Unternehmer lösen müssen. Denn die kommenden Jahre werden eine der größten Herausforderungen sein, die wir in den letzten 50 Jahren erlebt haben.

                                                                                                         Manfred Kobusch, Vorsitzender       

Gedanken zum Ewigkeitssonntag

Jedes Jahr im Herbst mache ich mir wieder Gedanken über die Gräber meiner Verstorbenen, die in mehreren Städten liegen. Die Besuche verbinde ich mit Spaziergängen über die oft parkartigen Friedhöfe. Dabei kann ich die Anpassungen des Alltags vergessen, die Probleme fallen von mir ab. Es ist Totensonntag, vergleichbar mit Allerseelen in der katholischen Kirche. Die evangelische Kirche bezeichnet ihn auch als Ewigkeitssonntag, er ist ein Gedenktag für die Verstorbenen. Dann denke ich an die Vergangenheit, an die Menschen, die nicht mehr bei uns sind, ich denke aber auch an das Leben, an unsere Zukunft.

In Isernhagen haben wir mehrere Friedhöfe und Kirchen, St. Christophorus, St. Marien und St. Nikolai. Letztere ist die älteste, der Bau der ursprünglichen romanischen Kapelle geht auf das 12. Jahrhundert zurück, mit späterem Umbau und Erweiterung zu einer gotischen Kirche mit Chor und hölzernem Turm. An dieser Kirche liegt der alte Friedhof mit ein paar hohen Bäumen, ein richtiger Kirchhof und noch ein dazugehöriger Friedhof in Neuwarmbüchen.

Beim Bummeln über diese Friedhöfe schaue ich auf die Gräber und stelle fest, dass die anonymen Bestattungen und Urnengräber leider zunehmen. Dabei sagen doch die Gräber und die Grabsteine so viel über das dörfliche Leben und die Familien aus. Neben den Denkmälern für die Gefallen der Weltkriege gibt es große Familiengräber, oftmals von bäuerlichen Familien, die schon in vierter und fünfter Generation hier leben. Das wird sich in Zukunft ändern, die Mobilität der Menschen wird zunehmen. Das zeigen Einzelgräber oder kleine Doppelgräber schon jetzt, Namen tauchen nur noch einmal auf.

Der Ewigkeitssonntag, das Ende des Kirchenjahres, ist mir zum ersten Male bewusst geworden, als unser Pastor mich zum Sonntag in die Kirche einlud, da in jenem Jahr meine Mutter verstorben war. Als dann ihr Name aufgesagt wurde in der kahlen, weiß getünchten reformierten Kirche, erschien es mir wie ein Ruf aus dem Jenseits. Und da musste ich an den Untertitel auf der Willkommensseite der Liberalen Senioren denken: Mit uns in die Zukunft.

Die Zukunft: Was bringt uns das Leben noch, wie viele Jahre liegen noch vor uns, den Älteren? Welche Wünsche kann ich mir noch erfüllen? Erlebe ich noch die Einschulung meiner Enkel, kann ich an deren Abiturfeier noch teilnehmen?  Nach dem christlichen Glauben gibt es ein Leben nach dem Tode, das ewige Leben. Also doch: Mit uns in die Zukunft!

 

                                                                                                                                Ihr Manfred Kobusch  

Die neue Regierung steht.

Was bringt die Ampel-Koalition für die Rentner?

 

Erst werden 10 % Rentenhöhung für die nächsten beiden Jahre angekündigt, und dann lesen wir, dass der Nachholfaktor wieder eingeführt werden soll. Was soll das?

Aus den Vorausberechnungen für den jährlichen Rentenversicherungsbericht, den das Bundesarbeitsministerium erstellt, ergibt sich ein kräftiges Plus von zweimal 5 %. Der Arbeitsmarkt und damit auch die Lohnentwicklung haben sich nach dem heftigen Dämpfer durch die Corona-Krise gut erholt. In diesem Jahr 2021 hätte es wegen der rückläufigen Beschäftigtenzahlen und der Löhne rechnerisch eine Kürzung geben müssen, es hat aber eine Nullrunde gegeben. Die Bekanntgabe der Rentenerhöhung mit 5,2 % für 2022 ist vor dem Ende der Koalitionsverhandlungen erfolgt.

Im Koalitionsvertrag lesen wir jetzt, dass der sog. Nachholfaktor wieder eingeführt wird, damit die Rentner nicht zu den Krisenprofiteuren werden. Positiv formuliert heißt das im Vertrag: „So stellen wir sicher, dass sich die Renten und Löhne im Zuge der Corona-Krise insgesamt im Gleichklang entwickeln.“ Der Nachholfaktor führt dazu, dass die ausgefallene Kürzung mit späteren Erhöhungen verrechnet wird: so werden aus 5,2 % Erhöhung nur gut 2,5 %. Aber die endgültigen Zahlen liegen erst im März des kommenden Jahres vor.

Neben dem Nachholfaktor gibt es einen ähnlich klingenden Begriff, den Nachhaltigkeitsfaktor. Dieser sieht vor, dass die Renten mit dem bevorstehenden Renteneintritt der Babyboomer etwas langsamer steigen sollten als die Löhne, um Letztere nicht zu überfordern. Dieser bleibt in der Rentenformel weiterhin außer Kraft.

Im Koalitionsvertrag steht: „Wir werden das Mindestrentenniveau von 48 % dauerhaft sichern. In dieser Legislaturperiode steigt der Beitragssatz nicht über 20 %. Es wird keine Rentenkürzungen und keine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters geben.“
Die umlagefinanzierte Rente soll u.a. durch eine erwerbsbezogene und qualifizierte Einwanderung gestärkt werden. Zum Einstieg in die teilweise Kapitaldeckung, die Aktienrente, wird in einem ersten Schritt der Rentenversicherung ein Kapitalstock von 10 Mrd. Euro zugeführt.

Dazu sagt der Finanzwissenschaftler Prof. Raffelhüschen: „Hätten wir die Kapitaldeckung Anfang der Neunziger gemacht, hätten zwei bis drei Prozent des Einkommens in Aktien angelegt wie in Norwegen, hätten wir es geschafft“. Die Wissenschaft habe damals Vorschläge gemacht, die Politik sei nicht bereit gewesen. Das rot-grüne Kabinett mit den Ministern Riester, Schmidt und Müntefering habe wichtige Sanierungsschritte vollzogen. Die Minister Scholz (Rentengarantie), Nahles (Rente mit 63) und Heil (doppelte Haltelinien) hätten dies konterkariert. Das Ergebnis werde ein höherer Bundeszuschuss sein.   

Unabhängig vom Koalitionsvertrag erklärt Rainer Dulger, der Präsident der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände: „An einer schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters beispielsweise führt kein Weg vorbei.“ Und Werner Michael Bahlsen, der Präsident der Unternehmensverbände Niedersachsen, ergänzt: „Gute Sozialpolitik verlangt eine florierende Wirtschaft.“

Das ist der Zielkonflikt, in dem sich Politik und Wirtschaft treffen, ein Konflikt, den Politiker und Unternehmer lösen müssen. Denn die kommenden Jahre werden eine der größten Herausforderungen sein, die wir in den letzten 50 Jahren erlebt haben.

 

                                                                                                         Manfred Kobusch, Vorsitzender       

Bundesdelegierten-Versammlung

Düsseldorf Helau!

Elf Tage vor Beginn der fünften Jahreszeit, des närrischen Treibens, haben sich in Düsseldorf die Vertreter der Liberalen Senioren zu ihrer jährlichen Bundesdelegierten-Versammlung getroffen. Nach langer Zeit konnte sie wieder als Präsenzveranstaltung durchgeführt werden, und das tat allen gut. Da der zweite Tag hauptsächlich von Vorstandswahlen und Rechenschaftsberichten bestimmt war, nutzten alle den Vorabend zu einem gemütlichen Beisammensein.

Besonders freute sich der Verfasser, wieder einmal in dem Bundesland, in dem er aufgewachsen ist, zu Gast sein zu dürfen und mit den Einheimischen bei Düsseldorfer Altbier und leckerer Flönz in Erinnerungen, wie Karneval und Rosenmontag zu schwelgen. So versprachen sich die Teilnehmer, über die Grenzen hinweg Kontakte zu pflegen, Gedanken und Vorhaben auszutauschen, um so ein lebendigeres Vereinsleben zu gestalten.

Der darauffolgende Tag begann mit den Grußworten von der Vizepräsidentin des Landtags in NRW, Angela Freimuth von der FDP, und der Vorsitzenden des Seniorenrates der Landeshauptstadt Düsseldorf, Ulrike Schneider; sie machte uns Mut, für die Seniorenbeiräte zu kandidieren und die Chance, die die Politik uns gibt, zu nutzen.

Nach den Rechenschaftsberichten vom Vorsitzenden Detlef Parr und vom Schatzmeister Karl-Heinz Weinert – die Kasse ist besser gefüllt denn je – gingen die Vorstandswahlen für die Kandidaten erfolgreich über die Bühne, alle wurden mit großer Zustimmung in ihren Funktionen bestätigt. So ist der Landesverband Niedersachsen mit Dirk H. Heuer als Schriftführer und Jürgen Lang als Beisitzer – er löst Hinrich Geelvink ab – im Bundesvorstand angemessen vertreten.                                                                     

Das Foto zeigt die Delegierten des Landesverbandes Niedersachsen (von links): Dr. Siegfried Greinwald, Manfred Kobusch, Jutta Heynold, Jürgen Lang und Dirk-H. Heuer.

Als wichtige Aufgaben für das kommende Jahr sehen Bundes- und Landesvorstand die verstärkte Werbung von Neumitgliedern und eine attraktive Auswahl von Themen und Veranstaltungen.

                                                                                     Manfred Kobusch, stellv. Vorsitzender LV Nds    

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Liberale Senioren erneut im Fernsehen

Wie sicher fahren Senioren?

Im August war ein Team des NDR-Fernsehens bei den Liberalen Senioren in Hannover zu Gast. Sie hatten vorher bei Manfred Kobusch, dem Vorsitzenden, angefragt, ob er für ein Gespräch und für ein paar Filmsequenzen für das Thema „Senioren am Steuer“ zur Verfügung stünde; Kobusch ist in der Szene durch die ZDF-Sendung „heute-show“ bekannt und hat spontan zugesagt. Jetzt hat der NDR den Film im Rahmen der Sendereihe „45 min“ gezeigt.

Aber der Anfang des Films war viel spektakulärer als die Interviews. Die Reporter zeigten eine Straße in Hamburg, die die häufigsten Unfälle an Schaufensterscheiben durch Senioren verzeichnet. Interessant war: sie alle fahren Autos mit Automatikgetriebe, und sie verwechseln Gas und Bremse, sowie Vorwärts- und Rückwärtsgänge. Eine Anfrage beim Bundesverkehrsministerium ergab keine Notwendigkeit für Fahrtests für Senioren. Die Pressestelle ließ verlauten: „Die Senioren stehen in der Eigenverantwortung, ihre Fitness selbst zu überprüfen.“ Auf Andy Scheuer ist halt Verlass!

Da einige Jugendliche sich mehr Sicherheit auf den Straßen wünschen, haben sie das Projekt „Führerschein gegen Fahrschein“ ins Leben gerufen. In Hannover sind schon mehr als 1400 Führerscheine abgegeben worden. Manfred Kobusch bekennt: „Ich habe mein ganzes Leben in der Automobilbranche gearbeitet, mir macht das Autofahren auch heute noch viel Freude, gibt mir das Gefühl von Unabhängigkeit und Spontanität, und das ginge verloren, wenn ich nur mit ÖPNV fahren müsste“. Die Liberalen Senioren haben sich strikt gegen dieses Projekt ausgesprochen. Besonders im ländlichen Bereich sind die Taktungen der Busse und Bahnen oftmals so ungünstig, dass man viel Zeit einplanen muss.

Um ihr Fahrvermögen zu zeigen, treffen sich die Liberalen Senioren im Fahrsicherheitszentrum des ADAC, doch nicht nur sie, sondern auch eine junge Dame, die erst seit 3 Jahren den Führerschein besitzt. Beim Fahren in besonderen Situationen, wie Bremsen und Ausweichen auf nasser Straße, zeigt sich, dass die Älteren über einen großen Erfahrungsschatz verfügen, den sich die Jüngeren erst noch aneignen müssen.  

Auch andere Organisationen haben andere Denkansätze. So wird an der Hochschule für das Verkehrswesen in Dresden im Rahmen der Unfallforschung eine Teststrecke für ältere Fahrer entwickelt. Nach deren Absolvierung bekommt der Fahrer ein Feedback für sein eigenes Fahrhalten, der Führerschein kann ihm jedoch nicht abgenommen werden. Im Ausland, z.B. in Spanien ist ein medizinischer Check-up ab dem 65. Lebensjahr alle 5 Jahre Pflicht. Er umfasst Seh- und Hörtests, Reaktionstests u.a. Die Fahrerlaubnis kann eingezogen werden, bei Schwächen wird sie aber nur eingeschränkt.

Die Liberalen Senioren sind weiterhin für einen freiwilligen Gesundheitscheck, eine Verpflichtung wäre für viele schon diskriminierend. In Deutschland kann der Test jährlich beim Arzt auf freiwilliger Basis durchgeführt werden. Auch der ADAC will von verpflichtenden Tests nichts wissen. Die Situation beschreibt am besten ein Satz unseres Trainingsleiters: „Die Leute, die wir brauchen, die kommen nicht.“ Mit anderen Worten:      Es kommen die, die noch gut fahren können. Damit das so bleibt und wir keine „Hamburger Verhältnisse“ bekommen, veranstalten die Liberalen Senioren zum Herbst wieder einen FahrFitnessCheck. Wer Interesse hat, der kann sich gerne bei uns anmelden.

                                                                                                   Manfred Kobusch, Vorsitzender